Wer kennt das nicht: Wir polieren unseren Lebenslauf, üben Antworten auf Fangfragen und hoffen inständig auf das „Ja“ des Unternehmens. Doch darüber vergessen wir die wichtigste Frage: Ist das Unternehmen auf der anderen Seite des Schreibtisches eigentlich überhaupt ein guter Arbeitgeber?
Wir sprechen heute mit Frau Markwirth, der Leiterin von EMMA Jobs München. Sie schlüsselt für uns auf, woran man als Bewerber erkennt, dass man in diesem Unternehmen gut aufgehoben ist – und bei welchen Signalen man aufhorchen sollte.
Frau Markwirth, warum fällt es uns so schwer, im Bewerbungsprozess auch den Arbeitgeber kritisch unter die Lupe zu nehmen?
Das Bewerbungsgespräch ist wie ein Blind Date. Man kennt sich nur über die grobe Beschreibung aus dem Netz, dementsprechend aufgeregt ist man beim ersten Treffen. Es ist ganz normal, dass Bewerber hier oft mehr damit beschäftigt sind, zu gefallen, als damit, das Unternehmen kritisch wahrzunehmen. Doch wie bei jedem Blind Date gilt auch hier: Es hilft nicht viel, wenn das Unternehmen gutes Geld und tolle Benefits bietet, man sich dann im Arbeitsalltag nicht wohlfühlt. Denken Sie immer daran: Sie verkaufen nicht nur Ihre Arbeitskraft, Sie investieren Lebenszeit. Da sollten Sie von Anfang an genau hinschauen.
Die Prüfung beginnt ja schon beim Lesen der Stellenanzeige. Woran erkennt man hier, ob ein Unternehmen wirklich Substanz hat?
Ich würde jedem empfehlen, beim Lesen der Stellenanzeige darauf zu achten, wie viel Zeit das Unternehmen in die Erstellung gesteckt hat – also wie transparent und konkret die Stelle hier beschrieben wird. Entwicklungsmöglichkeiten? Toll! Aber welche genau? Hier würde ich gerne lesen: „Wir unterstützen Ihre Weiterbildung zum Techniker oder Meister durch gezielte Freistellungen.“ Tolles Team? Wunderbar! Aber besser wäre: „Sie arbeiten in festen Tandems und haben einen wöchentlichen Fix-Termin für den fachlichen Austausch.“
Also: Je konkreter die Stellenanzeige, desto besser.
Wir haben zu dem Thema „Was sagt eine Stellenanzeige über ein Unternehmen wirklich aus?“ ein eigenes Interview mit Frau Markwirth geführt. Hier nachlesen!
Das Vorstellungsgespräch steht an. Was sind Signale vor Ort, die auf einen guten Arbeitgeber hinweisen?
Lassen Sie das Unternehmen auf sich wirken. Das beginnt schon an der Türschwelle:
Wie ist der Empfang?
Wie interagieren die Mitarbeiter untereinander? Grüßen sich die Kollegen im Vorbeigehen? Herrscht ein lockerer, freundlicher Ton oder angespannte Stille? Wenn Mitarbeiter beim Anblick des Chefs verstummen, sollten Sie sich fragen, warum. Ein guter Arbeitgeber schafft einen Raum, in dem ihm seine Mitarbeiter angstfrei und offen begegnen.
Ihre Zeit ist wertvoll!
Ein guter Arbeitgeber weiß, dass Sie sich für diesen Termin vorbereitet, Zeit investiert und vielleicht sogar frei genommen haben. Das sollte er respektieren, und Sie nicht 20 Minuten lang im Flur warten lassen. Wenn das doch passiert, sollte Ihr Interviewpartner die Situation erklären, sich entschuldigen und Ihnen vielleicht einen Kaffee anbieten. Wer Ihre Zeit schon jetzt nicht respektiert, wird vermutlich auch Schwierigkeiten haben, Ihre zeitlichen Grenzen im Arbeitsalltag einzuhalten. Pünktlichkeit und Kommunikation auf Augenhöhe sind hier die Zauberworte.
Die Atmosphäre
Sie sitzen im Gesprächsraum und haben sicher viel damit zu tun, alle Fragen gut zu beantworten. Doch nutzen Sie diesen wichtigen Moment auch, um sich einen Eindruck zu verschaffen: Wirkt das Arbeitsumfeld belebt? Sieht man persönliche Gegenstände an den Arbeitsplätzen? Das deutet darauf hin, dass Menschen sich dort ein Stück weit zuhause fühlen dürfen. In einem gesunden Unternehmen spüren Sie eine gewisse Grundenergie.
Welche Fragen kann ich im Gespräch stellen, um mehr über den Arbeitgeber zu erfahren?
Ja, unbedingt – trauen Sie sich, Fragen zu stellen! Ein interessierter Bewerber kommt nicht nur sehr gut an, er erfährt auch viel mehr als jemand, der nur auf Fragen antwortet. Wer fragt, der führt – und wer klug fragt, erfährt, ob er in diesem Unternehmen glücklich wird.
Ich würde mir diese Fragen nicht verkneifen:
„Warum ist die Stelle aktuell vakant?“
Wurde die Stelle neu geschaffen, weil das Unternehmen wächst? Oder hat Ihr Vorgänger nach drei Monaten das Handtuch geworfen? Wenn die Antwort vage bleibt oder man spürt, dass es eine hohe Fluktuation auf dieser Position gibt, sollten Sie hellhörig werden. Ein guter Arbeitgeber geht transparent damit um, warum jemand gegangen ist oder warum das Team jetzt Ihre Verstärkung braucht.
„Wie wird Erfolg in Ihrem Unternehmen gemessen?“
Diese Frage gibt Ihnen ein Gefühl dafür, welcher Druck am Ende des Monats auf Ihren Schultern lasten wird. Und an der Antwort erkennen Sie die Werteorientierung des Hauses. Geht es hier um nackte Zahlen? Oder werden Qualität, Kundenzufriedenheit und die Weiterentwicklung der Mitarbeiter genauso geschätzt? Ein rein zahlenfokussierter Arbeitgeber ist besonders dann anstrengend, wenn die menschliche Komponente fehlt. Ein guter Arbeitgeber hingegen misst Erfolg genauso daran, wie stabil das Team ist und ob die gesteckten Qualitätsziele erreicht wurden.
„Wie sieht die Einarbeitung in den ersten Wochen aus?“
Die Antwort auf diese Frage verrät Ihnen, ob das Unternehmen Strukturen hat oder ob ‚Schwimmenlernen durch Reinspringen‘ die Devise ist. Gibt es einen festen Ansprechpartner oder einen Einarbeitungsplan? Das zeigt Ihnen, wie viel Wert das Unternehmen darauf legt, dass neue Mitarbeiter gut ankommen. Ein strukturierter Onboarding-Prozess ist in der Regel auch ein gutes Zeichen für ein wertschätzendes, gut organisiertes Team.
Sie interessiert, welche Fragen im Vorstellungsgespräch kommen können und wie Sie sich am besten vorbereiten? Wir haben mit Frau Markwirth auch darüber gesprochen!
Frau Markwirth, jetzt haben wir viel über das Bewerbungsgespräch gesprochen. Aber was macht ganz konkret einen wirklich guten Arbeitgeber im Jahr 2026 aus? Woran erkenne ich, dass das Gesamtpaket stim
Bevor wir über Boni oder Fitnessstudio-Mitgliedschaften sprechen: Ein guter Arbeitgeber ist in erster Linie verlässlich. Das merken Sie bereits in der Probezeit:
- Geht das Gehalt pünktlich ein?
- Werden Abmachungen gehalten?
Wenn ein Arbeitgeber schon bei der Gehaltsabrechnung unzuverlässig ist oder bei der Dienstplanung keine Planungssicherheit bietet, dann ist das ein absolutes Warnsignal.
Auch bei Gehaltsstrukturen und Arbeitszeiten sollte von Anfang an mit offenen Karten gespielt werden. Geld ist nicht alles, aber es ist die Basis für Wertschätzung. Fragen Sie sich:
- Ist das Gehalt marktgerecht?
- Gibt es klare Regelungen für Zulagen, Weihnachtsgeld oder leistungsbezogene Boni?
Ein Arbeitgeber, der bereit ist, über die Entwicklung zu sprechen und diese auch finanziell durch Perspektiven wie Weiterbildungen oder Aufstiegschancen honoriert, investiert in Sie. Wenn das Gehalt gedeckelt ist, ohne dass man die Gründe versteht, sollten Sie sich Gedanken machen, was Ihre Arbeit wert ist. Obstkorb oder Kickertisch sind zwar nett, aber keine echten Benefits.
Die sehen eher so aus:
- Nachtzuschläge
- Wochenend- und Feiertagszuschläge
- Urlaubs- und Weihnachtsgeld
- Fahrtkostenerstattung
- Betriebliche Kranken-Zusatzversicherung
- Betriebliche Altersvorsorge
- Flexible Arbeitskonten
- Kurze Vollzeit (32-36 Stunden)
- Inflationsausgleich
- Zuschüsse zur Kinderbetreuung
Last but not least: Ein guter Arbeitgeber hat Führungskräfte, die moderieren und unterstützen, statt zu kontrollieren. Genauso, wie Sie für das Unternehmen arbeiten, arbeitet das Unternehmen auch für Sie – fördert und unterstützt Sie, und ist offen für Gespräche mit Ihnen.
Zum Schluss: Woran erkenne ich am Ende ganz persönlich, dass es „matcht“?
Vertrauen Sie hier auf Ihre Wahrnehmung. Sie merken das ganz einfach daran, dass Sie mit einem guten Gefühl im Bauch aus dem Bewerbungsgespräch gehen und sich energetisiert fühlen. Und im Alltag daran, dass Ihnen Ihre Arbeit und der Umgang mit Ihren Kollegen Freude bereitet. Kein Arbeitsplatz ist perfekt. Aber wenn Unternehmen offen kommunizieren, auch mal Schwäche zugeben und Ihre Mitarbeiter wie Partner behandeln, ist das eine grundsolide Basis für einen guten Arbeitgeber. Denken Sie daran: Ein Job sollte Ihr Leben bereichern.
Für so ein perfektes Match arbeiten wir bei EMMA Jobs jeden Tag. Wir kennen viele unserer Partnerunternehmen in und um München schon seit vielen Jahren. Und wir nehmen Ihnen einen großen Teil der Prüfungsarbeit ab, denn wir arbeiten nur mit Unternehmen, die unsere Werte von Fairness und Wertschätzung teilen. Wenn Sie also keine Lust mehr auf Blind Dates mit bösem Erwachen haben, kommen Sie zu uns in die Sonnenstraße oder schicken Sie uns Ihre Unterlagen. Wir finden für Sie das perfekte Match – und für diesen Service zahlen Sie keinen Cent.
Wie das funktioniert? Hier nachlesen! Einmal bewerben und Zugriff auf hunderte Stellenangebote bekommen!
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Markwirth!
Sie wollen mehr zum Thema erfahren? Wir haben mit Frau Markwirth auch zu folgenden Themen gesprochen:
Susi Markwirth
Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement hat sie schnell erkannt, dass sie im Personalbereich richtig aufgehoben ist. Aus diesem Grund entschied sich Susi für eine Weiterbildung zur Personalfachkauffrau. Die Prüfung hierfür hat Sie im Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen.