Rund ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland ist offen für einen Jobwechsel. Aber nur ein kleiner Teil von ihnen bringt etwas ins Rollen. In der XING-Wechselbereitschaftsstudie stehen 30 %, die offen für einen Wechsel sind nur 7 % gegenüber, die diesen Schritt am Ende auch tatsächlich gehen.
Wir haben mit Frau Markwirth gesprochen, woran das liegt und was den Sprung leichter macht. Als Leiterin von EMMA Jobs München begleitet sie seit zwölf Jahren Menschen, die sich eigentlich beruflich verändern wollen und doch genau vor dieser Veränderung zurückschrecken.
- Frau Markwirth, viele Menschen wollen wechseln und tun es trotzdem nicht. Woran liegt das?
- Es steht doch auch häufig eine ganz konkrete Angst hinter dem Jobwechsel?
- Was aber, wenn der neue Job wirklich schlechter ist als der alte?
- Und die Geldsorge? Wenn man sich einen Fehlgriff nicht leisten kann?
- Manche Menschen ab 50 denken ja auch, sie seien vielleicht „zu alt“ für einen Jobwechsel. Ist das Alter heute noch eine Hürde?
- Manche fragen sich insgeheim, ob es gar nicht am Job liegt, sondern an ihnen selbst. Vielleicht ist man einfach nie zufrieden?
- Manche fragen sich insgeheim, ob es gar nicht am Job liegt, sondern an ihnen selbst. Vielleicht ist man einfach nie zufrieden?
- Ein anderer Grund fürs Bleiben ist Loyalität. Man will Team und Chef nicht hängen lassen BILD
- Angenommen, jemand erkennt sich hier wieder und will etwas ändern, ohne gleich alles umzuwerfen. Was ist der erste Schritt?
- Wie helfen Sie bei EMMA Jobs Menschen, die sich nach Bild
- Gibt es noch etwas, dass Sie jemandem sagen würden, der schon lange mit dem Jobwechsel hadert?
Frau Markwirth, viele Menschen wollen wechseln und tun es trotzdem nicht. Woran liegt das?
Wer sich eigentlich beruflich verändern möchte und dennoch in seinem Job bleibt, bleibt selten, weil er diesen Job liebt. Meistens ist die Angst vor der Veränderung, die uns hält. Der Mensch möchte das Vertraute behalten und scheut das Neue. Nicht umsonst trägt die berühmte „Komfortzone“ ihren Namen: sie muss nicht einmal richtig und schön für uns sein, aber sie ist uns eben vertraut, und Vertrautes fühlt sich sicher an.
Es steht doch auch häufig eine ganz konkrete Angst hinter dem Jobwechsel?
Ich höre meist mehrere konkrete Sorgen, die sich zu einer diffusen Angst vor dem Jobwechsel zusammenballen: Die eigenen Baustellen kennt man ziemlich genau, man hat sich mit ihnen arrangiert. Aber es steht in den Sternen, was einen in einem neuen Job erwartet. Wer mitten im Jahr geht, lässt vielleicht noch einen Bonus liegen. Auch die Probezeit ist immer eine Zeit der Unsicherheit. Dazu gibt man die bisherige Betriebszugehörigkeit auf. Wieder von vorn anfangen, wieder der oder die Neue sein, sich noch einmal beweisen muss und damit den Stand verlieren, den man sich über Jahre erarbeitet hat. Das kostet richtig Überwindung. Dazu die Sorge, es könnte hinterher schlechter sein als vorher. Allein schon der Aufwand der Suche. Denn hinter der vorgeschobenen „Angst“ versteckt sich nicht selten auch ein Stück Bequemlichkeit.
Leider sind wir so sozialisiert, dass wir über berufliche Sorgen in der Regel nur wenig oder gar nicht sprechen. Diese sind häufig mit Scham verbunden. Dabei hilft es, sich genau anzusehen, wovor wir eigentlich Angst haben, und wie begründet diese Angst denn wirklich ist. Ich erlebe oft im Kontakt mit neuen Bewerbern, dass solche ehrlichen Gespräche eine Erleichterung sind.
Was aber, wenn der neue Job wirklich schlechter ist als der alte?
Das lässt sich nie ganz ausschließen, kein Jobwechsel kommt mit Zufriedenheitsgarantie. Aber die Sorge selbst nährt sich von Nichtwissen: Die Stellenanzeige in einem der gängigen Portale verrät uns ja auch nichts darüber, wie in einem Unternehmen tatsächlich geführt wird und wie sich der Montagmorgen dort anfühlt.
Deshalb rate ich jedem, wenn möglich mit den Personen im neuen Unternehmen ins Gespräch zu gehen und sich zu trauen, im Vorstellungsgespräch bei den Dingen nachzufragen, die demjenigen wichtig sind. Ein Vorstellungsgespräch ist keine Einbahnstraße, in der nur Sie geprüft werden. Sie dürfen genauso prüfen. Fragen Sie, wie lange Ihr Vorgänger da war und warum er gegangen ist. Fragen Sie, wie ein normaler Arbeitstag aussieht.
Und noch etwas: Wir Menschen neigen dazu, das ausgemalte, schwierige Neue den Vorzügen des Alten gegenüberzustellen. Also zum Beispiel das noch unbekannte Programm, mit dem im neuen Job gearbeitet wird, mit den netten Kollegen des alten Jobs. Doch hier vergleichen Sie Äpfel mit Birnen. Denken Sie daran: Auch Ihr jetziger Job ist nicht ideal, sonst würden Sie ja gar nicht über einen Wechsel nachdenken.
Und die Geldsorge? Wenn man sich einen Fehlgriff nicht leisten kann?
Hier ist mein wichtigster Rat: Werfen Sie nicht aus Frust das Handtuch. Suchen Sie lieber aus Ihrer sicheren Jobposition heraus einen neuen Job und möglichst nicht aus der Arbeitslosigkeit. Solange Sie noch angestellt sind, haben Sie keinen Zeitdruck und wechseln erst dann, wenn wirklich etwas Besseres auf dem Tisch liegt. Machen Sie aus dem Sprung ins Ungewisse einen gut überlegten Schritt.
Manche Menschen ab 50 denken ja auch, sie seien vielleicht „zu alt“ für einen Jobwechsel. Ist das Alter heute noch eine Hürde?
Da redet die Angst, nicht der Markt. Denn der Fachkräftemangel wird größer und viele Firmen suchen ganz gezielt nach einem „Gestandenen“. Jemanden, der sein Metier gut kennt und sein Wissen an die Jüngeren weitergeben kann. Erfahrung ist heute oft ein großer Vorteil im Bewerbungsprozess. Nur bei stark körperlicher Arbeit tut sich ein Betrieb mit jüngeren Leuten in der Regel leichter. Die Haltung sollte hier also sein: „ich habe fünfzehn Jahre an dieser Maschine gestanden und kenne sie besser als meine Schwiegermutter", und nicht: „Ich bin schon 55“.
Manche fragen sich insgeheim, ob es gar nicht am Job liegt, sondern an ihnen selbst. Vielleicht ist man einfach nie zufrieden?
Das kann ja auch tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Fragen Sie sich ehrlich: Ist es dieser Job oder dieser Vorgesetzte, der mich zermürbt? Oder trage ich eine Unzufriedenheit mit mir herum, die ich überallhin mitnehme?
Wenn Sie ganz konkret benennen können, was Sie genau stört, und ebenso genau sagen können, was Sie stattdessen bräuchten, dann ist das Problem häufig situativ und ein Wechsel kann hier wirklich weiterhelfen. Bleibt es bei einem diffusen Unwohlsein, das sich nicht festmachen lässt, dann nehmen Sie es unter Umständen mit in die nächste Anstellung. Und manchmal sind Sie vielleicht gar nicht unbedingt unzufrieden, sondern haben einfach Lust auf Veränderung und auf neue Aufgaben sowie Herausforderungen! Das ist ein ebenso valider Grund, den Job zu wechseln.
Ein anderer Grund fürs Bleiben ist Loyalität. Man will Team und Chef nicht hängen lassen.
Loyalität ist etwas Schönes, nur sollte sie in beide Richtungen laufen. Ein Unternehmen strukturiert um, wenn die Zahlen es verlangen, und trennt sich auch von Leuten, wenn es sein muss. Das ist nicht böse, sondern gehört dazu. Und genauso dürfen Sie für Ihr eigenes Leben entscheiden, was gut für Sie ist.
Ich bin jedoch dafür, das Arbeitsverhältnis, wenn möglich, ordentlich zu Ende zu bringen: das heißt, eine saubere Übergabe und lieber das offene Gespräch mit dem Chef suchen, statt sich hinauszuschleichen. München ist am Ende ein Dorf, man begegnet sich hier meist irgendwann wieder.
Angenommen, jemand erkennt sich hier wieder und will etwas ändern, ohne gleich alles umzuwerfen. Was ist der erste Schritt?
Sie müssen nicht kündigen, um sich umzuschauen. Sammeln Sie zunächst einmal Informationen. Finden Sie heraus, was der Arbeitsmarkt gerade für jemanden mit Ihrer Erfahrung bereithält, ohne sich innerlich zu irgendetwas zu verpflichten. Genau für diese Phase sind wir für Sie da!
Wie helfen Sie bei EMMA Jobs Menschen, die sich nach Jobalternativen umsehen wollen?
Unser Bewerbungsservice ist für Sie kostenfrei und völlig unverbindlich. Sie schicken uns Ihre Unterlagen und wir sprechen in einem ersten Treffen online oder bei uns in der Sonnenstraße darüber, was genau Sie suchen und was Sie sich von Ihrem neuen Arbeitgeber wünschen. Wir übernehmen die Jobsuche für Sie und entlasten Sie hier von einer großen Hürde für den Jobwechsel. Wir schauen für Sie nach passenden Stellen in unserem Netzwerk aus Partnerunternehmen, die wir seit vielen Jahren persönlich kennen. Wir wissen, wie dort geführt wird und wie der Job im Tagesgeschäft aussieht. Wir prüfen auch, dass Ihr neuer Arbeitgeber wirtschaftlich gut dasteht. Sie springen also nicht ins kalte Wasser, sondern wissen vorher genau, worauf Sie sich einlassen.
Übrigens: Mehr als 80% der Stellen stehen gar nicht öffentlich in den Portalen. Viele der besten freien Positionen in den Münchener Unternehmen landen direkt bei uns auf dem Schreibtisch. Wir sehen uns an, welche davon zu Ihrem Profil passt, und stellen Sie dem Unternehmen persönlich und mit unserer Empfehlung vor. Und wenn Ihnen etwas nicht zusagt, passiert nichts. Sie unterschreiben keinen Vertrag und gehen auch kein Risiko ein. Unsere Arbeit trägt sich über die Unternehmen, an die wir vermitteln. Sie selbst zahlen als Bewerber keinen Cent.
Gibt es noch etwas, dass Sie jemandem sagen würden, der schon lange mit dem Jobwechsel hadert?
Was aus der Ferne wie ein Abgrund aussieht, ist aus der Nähe häufig doch nur ein Bordstein. Sie müssen sich heute nicht entscheiden, aber Sie dürfen sich jederzeit umschauen: Die Angst wird kleiner, je mehr Sie über den nächsten Schritt wissen.
Ich mache diese Arbeit seit zwölf Jahren, und in dieser Zeit habe ich kaum jemanden erlebt, der seinen Wechsel bereut hat. Viele haben dagegen das lange Zögern bereut!
Frau Markwirth, vielen Dank für dieses offene Gespräch!
Sehr gern.
Sie tragen den Gedanken an einen Jobwechsel schon eine Weile mit sich herum? Frau Markwirth und ihr Team sitzen am Stachus in München, kennen den Markt und die Unternehmen dahinter und freuen sich über Ihre Nachricht!
Susi Markwirth
Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement hat sie schnell erkannt, dass sie im Personalbereich richtig aufgehoben ist. Aus diesem Grund entschied sich Susi für eine Weiterbildung zur Personalfachkauffrau. Die Prüfung hierfür hat Sie im Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen.