Der erste Eindruck zählt. Das gilt im Berufsleben nicht nur für den Bewerber, sondern auch für den ersten Kontaktpunkt: die Stellenausschreibung. Sie ist das erste Fenster in ein Unternehmen.
Doch wie erkennt man zwischen PR-Floskeln und Standardformulierungen, ob ein Arbeitgeber wirklich hält, was er verspricht?
Wir haben nachgefragt bei der Expertin: Frau Markwirth ist seit 12 Jahren Leiterin von EMMA Jobs München und hat es jeden Tag mit Unternehmen zu tun, die Stellen ausschreiben. Und mit den Menschen, die diese – mehr oder weniger – aufmerksam lesen.
Im Interview erklärt sie uns, warum die Stellenausschreibung für Firmen ein zentrales Instrument ist und welche wertvollen Informationen sich darin für Sie als Bewerber verbergen.
- Frau Markwirth, inwiefern ist die Stellenausschreibung für ein Unternehmen so wichtig und was steckt da eigentlich alles drin?
- Tauchen wir also direkt ein: An welchen Signalen in der Stellenausschreibung erkenne ich, dass ein Unternehmen richtig „tickt“?
- Und wo sollten Bewerber eher hellhörig werden? Gibt es in einer Stellenanzeige Signale, bei denen man vorsichtig sein sollte?
- Wie kann ich eine Stellenanzeige analysieren, um mich auf ein Bewerbungsgespräch in der Firma vorzubereiten?
- Erzählen Sie mal: Wie läuft der Prozess bei Ihnen ab?
- Frau Markwirth, haben Sie zum Abschluss noch einen letzten Rat für unsere Leser?
Frau Markwirth, inwiefern ist die Stellenausschreibung für ein Unternehmen so wichtig und was steckt da eigentlich alles drin?
Viele Jobsuchende prüfen eine Stellenanzeige nur auf das, was sie selbst mitbringen, und ignorieren den Rest. Leider! Denn eine Stellenanzeige ist eine spannende und gezielte Werbebotschaft. Über das, was da so in, aber auch zwischen den Zeilen steht, macht sich häufig nicht nur die Personalabteilung, sondern auch die ganze Fachabteilung und das Team Gedanken. Denn die Stellenausschreibung ist der durchaus komplexe Versuch, die Unternehmenskultur aber auch die Wünsche der Firma in wenigen Sätzen so attraktiv und transparent zu verdichten, dass sich der richtige Bewerber sofort darin wiedererkennt.
Wer weiß, wie man so eine Stellenanzeige richtig „liest“, bekommt interessante Einblicke darüber, wie ein Unternehmen „tickt“. Und das, noch bevor das erste Wort gewechselt wurde. Sie hilft dabei, sich auf Fragen im Bewerbungsgespräch vorzubereiten. Und gibt dem aufmerksamen Leser die Chance im Interview zu zeigen, dass er die ungeschriebenen Gesetze der Firma versteht.
Tauchen wir also direkt ein: An welchen Signalen in der Stellenausschreibung erkenne ich, dass ein Unternehmen richtig „tickt“?
Eine gute Stellenausschreibung liest sich wie ein Angebot für echte Zusammenarbeit. Nicht wie eine Einkaufsliste. Das gilt für die Fachkraft in der Produktion genauso wie für die Führungsebene. Wenn ein Unternehmen sich die Mühe macht, die Rolle tiefgreifend und transparent zu beschreiben, signalisiert das: Hier hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht und es wurde reflektiert, wie die Position im großen Getriebe der Firma eigentlich funktionieren soll.
Eine gute Anzeige lässt Sie schon beim Lesen spüren, dass Ihre Arbeit in der Firma wertgeschätzt wird. Das geschieht vor allem durch Transparenz bei den Rahmenbedingungen. Wenn dort zum Beispiel nicht nur „flexible Arbeitszeiten“ steht, sondern Homeoffice-Regeln oder Zeitmodelle konkret erklärt werden, spricht das für fest etablierte Prozesse. Auch Gehaltsspannen anzugeben, empfinde ich in der heutigen Zeit durchaus als angemessen und wertschätzend.
Positive Signale in einer Stellenausschreibung:
- Aufgaben, Ziele und Zuständigkeiten sind so präzise beschrieben, dass man ein realistisches Bild vom Arbeitsalltag bekommt.
- Arbeitszeiten, Homeoffice-Regeln oder Schichtmodelle werden konkret gemacht.
- Ein Plus: Gehaltsspannen oder klare Vergütungsmodelle werden offen kommuniziert.
- Einarbeitungspläne, Mentoring, Patenschaften werden erwähnt oder sogar beschrieben.
- Teamdynamik und Unternehmens- und Führungskultur wirken glaubwürdig.
- Konkrete Angebote zu fachlicher Weiterbildung sind ein Signal, dass im Job gelernt werden darf.
Und wo sollten Bewerber eher hellhörig werden? Gibt es in einer Stellenanzeige Signale, bei denen man vorsichtig sein sollte?
Letztendlich müssen Sie als Bewerber sich in der Stellenbeschreibung wiederfinden. Sie legen Wert auf eine professionelle Distanz und wollen im Job lieber gesiezt werden? Dann ist ein Unternehmen, das schon in der Stellenanzeige duzt, wahrscheinlich nicht der richtige Ort für Sie.
Doch ich würde behaupten, es gibt auch allgemein Signale, die mich hellhörig machen würden. Zum Beispiel, wenn…
- …Begriffe wie „keine 9-to-5-Mentalität“ fallen. Das könnte eine freundliche Umschreibung dafür sein, dass Überstunden hier an der Tagesordnung sind.
- …eine Anzeige nur aus vagen Floskeln besteht, die man in 2 Minuten aus dem Internet kopieren könnt. Das ist für mich schon ein Warnsignal. Hier hat sich das Unternehmen nicht die Mühe gemacht, die Position wirklich zu durchdenken.
- …die „eierlegende Wollmilchsau“ gesucht wird, die fachlich alles kann, drei Sprachen spricht und 10 Jahre Erfahrung mitbringt – aber wie ein Werkstudent bezahlt wird.
- …der Obstkorb oder der kostenlose Parkplatz die einzigen ‚Benefits‘ sind. Benefits sollten auf die Position zugeschnitten sein, z.B. Nachtzuschlag bei Nachtschichten.
- …man kaum erfährt, was man eigentlich den ganzen Tag tun soll.
Mir ist hier wichtig zu betonen: nicht hinter jeder schlechten Stellenanzeige steckt auch ein schlechtes Unternehmen. Ich sehe häufig ganz tolle Arbeitgeber, die sich bitterlich beschweren, dass sich niemand bewirbt. Wenn ich mir dann die Stellenausschreibungen ansehe, kann ich oft nur sagen: „Kein Wunder! Sie haben es schlichtweg nicht geschafft, Ihre Qualitäten aufs Papier zu bringen.“
Wenn Ihnen der Job also inhaltlich richtig gut gefällt, die Anzeige aber viel zu knapp ist oder lieblos wirkt, lohnt sich manchmal doch der zweite Blick. Recherchieren Sie unabhängig. Schauen Sie sich die Webseite an oder nutzen Sie das Erstgespräch, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Manchmal verbirgt sich hinter einer staubigen Anzeige ein herzlicher kleiner Betrieb, der etwas Hilfe beim Texten gebraucht hätte.
Wie kann ich eine Stellenanzeige analysieren, um mich auf ein Bewerbungsgespräch in der Firma vorzubereiten?
Die Stellenanzeige ist der Spickzettel für Ihr Interview. Nehmen Sie sich die Anzeige vor und gehen Sie sie Zeile für Zeile durch. Erstellen Sie sich eine kleine Tabelle. Auf eine Seite schreiben Sie die Wünsche des Unternehmens an den Bewerber. Auf der anderen Seite überlegen Sie sich, ob und inwiefern Sie diese Wünsche erfüllen und notieren sich dazu konkrete Beispiele. In die Mitte schreiben Sie Fragen, die Ihnen dazu einfallen.
Um es etwas konkreter zu machen:
- Adjektive und Werte anstreichen
Suchen Sie nach Adjektiven, die die gesuchte Person beschreiben. Das kann z. B. „kreativ“, „zuverlässig“ oder „kundenorientiert“ sein. Schreiben Sie diese Begriffe heraus. Das sind die emotionalen Erwartungen des Unternehmens. Überlegen Sie sich zu jedem dieser Wörter eine konkrete Geschichte oder ein Beispiel aus Ihrem eigenen Berufsleben, die beweist, dass Sie genau das sind. Behaupten Sie nicht nur, Sie seien teamfähig – erzählen Sie von der einen Situation, in der Sie mit Ihrem Team gemeinsam etwas geschafft haben. - Die Lücke
Markieren Sie alles, was Sie nicht zu 100 Prozent erfüllen. Sie sollen sich damit nicht selbst demotivieren, sondern sich auf kritische Fragen vorbereiten. Sie kennen die Software noch nicht, die gefordert wird? Legen Sie sich eine Antwort und einen Plan zurecht: “Ich kenne ein Tool, das sehr ähnlich aufgebaut ist, und ich habe mir bereits ein Tutorial für ihr Tool angesehen“. Nichts kommt im Bewerbungsgespräch besser an, als proaktives Handeln statt Rechtfertigung! - Den Fragenkatalog ableiten
Alles, was in der Anzeige vage bleibt, ist Ihre Chance, Interesse zu zeigen und Rückfragen zu stellen. Steht dort „Schnittstellenmanagement“? Fragen Sie also: „Mit welchen Abteilungen werde ich denn am engsten zusammenarbeiten?“ – und schon zeigen Sie, dass Sie bereits im Job denken.
Frau Markwirth, das klingt ein wenig nach Detektivarbeit. Mit EMMA Jobs bleibt uns das Rätselraten erspart. Erzählen Sie mal: Wie läuft der Prozess bei Ihnen ab?
Wir von EMMA Jobs werden von Münchner Unternehmen beauftragt, gezielt nach Mitarbeitern zu suchen. 80 % der offenen Stellen dieser Unternehmen sind auf dem freien Markt oder in öffentlichen Portalen deshalb gar nicht erst ausgeschrieben, sondern liegen auf unserem Schreibtisch. Darunter sind Big Player, Mittelständische Unternehmen und Hidden Champions. Unser Job ist es, für beide Seiten das perfekte Match zu finden. Da die Unternehmen uns für diese Suche bezahlen, ist der gesamte Service für Bewerber zu 100 % kostenfrei.
Die Bewerbung mit EMMA Jobs funktioniert so:
- Sie müssen keine Dutzend Bewerbungen ins Blaue schicken und verlieren auch keine Zeit bei Bewerbungsgesprächen. Sie schicken uns Ihre Bewerbungsunterlagen ganz einfach über die Express-Bewerbung auf unserer Homepage. Entweder als Antwort auf eine Stelle in unserem Portal oder als Initiativbewerbung.
- Wir melden uns bei Ihnen, und dann lernen wir uns erstmal kennen. Uns interessiert nicht nur, was Sie im Studium oder in der Ausbildung gelernt haben, sondern auch, wer Sie sind, was Ihnen wirklich wichtig ist, und was Sie sich idealerweise für einen Job vorstellen.
- Anschließend ist es an uns, in unserem großen Münchner Netzwerk nach dem Job zu suchen, der zu Ihnen, Ihren Wünschen und Kompetenzen passt.
- Wir kennen die meisten unserer Unternehmen in München persönlich. Sie erfahren von uns vor Ihrem Bewerbungsgespräch alles rund um den Job: Wie sieht das Gehalt aus? Wie viele Urlaubstage gibt es? Wie ist der Chef? Wie funktioniert das Team? Stellen Sie uns all Ihre Fragen.
- Wenn wir spüren, dass es zwischen Ihnen und einem Unternehmen passen könnte, stellen wir Ihnen den Job vor. Hört sich alles gut an? Wir empfehlen Sie persönlich bei der Firma und machen für Sie einen Termin zum Bewerbungsgespräch
- Sie behalten während des gesamten Prozesses die volle Entscheidungshoheit. Kein Druck. Kein Vertrag. Keine Verpflichtungen.
Alles, was Sie für eine berufliche Verbesserung tun müssen: heute – jetzt! – den ersten Schritt wagen!
Frau Markwirth, haben Sie zum Abschluss noch einen letzten Rat für unsere Leser?
Nutzen Sie die Stellenanzeige hier als einen kleinen Kompass. Sehen Sie sich genau an, was das Unternehmen eigentlich Ihnen zu bieten hat. So eine Haltung stärkt Ihre Position. Bereiten Sie sich mit Hilfe der Stellenanzeige so vor, dass Sie mit einem guten Gefühl ins Gespräch gehen. Wer die Stellenbeschreibung aufmerksam liest und hier seine Hausaufgaben macht, hebt sich in der Regel schon von den meisten Mitbewerbern ab.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Markwirth!
Sie wollen mehr zum Thema erfahren? Wir haben mit Frau Markwirth auch zu folgenden Themen gesprochen:
Susi Markwirth
Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement hat sie schnell erkannt, dass sie im Personalbereich richtig aufgehoben ist. Aus diesem Grund entschied sich Susi für eine Weiterbildung zur Personalfachkauffrau. Die Prüfung hierfür hat Sie im Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen.