Im September haben Münchner Betriebe der Arbeitsagentur gut ein Viertel mehr neue Stellen gemeldet als ein Jahr zuvor (Agentur für Arbeit München). Im selben Monat lag die Arbeitslosenquote in der Stadt bei 5,7 % und damit sogar leicht über dem Vorjahreswert. Mehr Stellen und trotzdem nicht weniger Arbeitslose? An diesem Widerspruch lässt sich ziemlich gut ablesen, wie es um die Münchner Wirtschaft gerade steht.
Denn die Stimmung in den Unternehmen hellt sich auf: der ifo Geschäftsklimaindex ist im September auf 89,9 Punkte gestiegen und das Münchner Institut spricht von einem Erholungskurs (ifo Institut).
Frau Markwirth leitet seit vielen Jahren EMMA Jobs München und spricht täglich mit Unternehmen aus der Stadt und der Region. Wir haben sie gefragt, was hinter den Zahlen steckt und wer auf dem Münchner Arbeitsmarkt gerade gesucht wird.
- Frau Markwirth, aktuell ist in den Nachrichten von einer vorsichtigen Stabilisierung der Wirtschaft die Rede.
- Was genau stabilisiert sich denn auf dem Arbeitsmarkt in München, und was noch nicht?
- Wie steht München denn im Vergleich zum Rest der Republik da?
- Stichwort Autobranche. München ist eine Autostadt, mit BMW und vielen Zulieferern. Wie ernst ist hier die Lage?
- Wer hat auf dem Münchner Arbeitsmarkt gerade gute Karten, und wer tut sich eher schwer?
- Angenommen, jemand ist im Job unzufrieden und möchte erst wechseln. Ändert eine Stabilisierung nun diese Überlegung?
- Viele Stellen werden gar nicht öffentlich ausgeschrieben. Wie findet man die guten Jobs dann überhaupt?
- Wie hilft EMMA Jobs Menschen, die sich bei dieser Lage beruflich orientieren wollen?
- Was raten Sie jemandem, der unsicher ist, ob jetzt der richtige Moment ist?
Frau Markwirth, aktuell ist in den Nachrichten von einer vorsichtigen Stabilisierung der Wirtschaft die Rede. Sie sprechen täglich mit Münchner Unternehmen. Deckt sich das denn mit dem, was Sie so hör
Die Stimmung hat sich etwas verbessert, ja. Das merke ich auch in den Gesprächen mit den Verantwortlichen. Vor einem Jahr war man da noch deutlich zurückhaltender, was Langzeitverträge und neues Personal angeht. Die Lage ist aber immer noch ziemlich verhalten. Ich betreue gerade einen Mittelständler, der eine sehr gute Auftragslage hat und eigentlich viel mehr machen könnte, als er im Moment schafft.
Der Erfahrung nach braucht es aber immer etwas länger, bis die Unternehmen dem Trend wieder vertrauen und Leute einstellen. Von einem richtigen Aufschwung würde ich deshalb zum heutigen Tag noch nicht sprechen.
Was genau stabilisiert sich denn auf dem Arbeitsmarkt in München, und was noch nicht?
Ich würde sagen, die Erwartungen sind wieder positiver. Die Unternehmen schauen zuversichtlicher auf die kommenden Monate, das zeigt ja auch der ifo-Index.
Nach wie vor sind die laufenden Kosten für die Münchner Industrie das größte Sorgenkind. Laut der IHK klagen inzwischen zwei Drittel der Betriebe über hohe Energiepreise, Anfang des Jahres waren es „nur“ 45 Prozent (IHK für München und Oberbayern). Gerade Firmen, die viel Gas brauchen, spüren die gestiegenen Preise natürlich jeden Monat in ihrer Bilanz. Auch die Lebenshaltungskosten sind aktuell auf dem Höchststand und drücken die allgemeine Kauflaune. Beides hängt zusammen, und solange sich das nicht wieder einpendelt, werden sich viele Unternehmen weiter vorsichtig zurückhalten, auch wenn sie gerade gar nicht so schlecht aufgestellt sind. Manche werden es auch nicht schaffen. Aber das ist kein Phänomen allein von 2026. Insolvenzen gab es aus den unterschiedlichsten Gründen immer, und wird es auch immer geben.
Wie steht München denn im Vergleich zum Rest der Republik da?
Gut. Bayern hat die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer, im September waren es 4,2 Prozent gegenüber 6,4 Prozent im Bund (BMAS). Die Stadt liegt mit 5,7 Prozent damit zwar über dem Landkreis, das ist für eine Großstadt aber ganz normal. Aber natürlich ist auch München keine Insel.
Was die Stadt so resilient macht, ist meiner Meinung nach ihr sehr starker Mittelstand. Dort wird quer durch alle Bereiche gesucht. Große Konzerne können Kosten schneller über Personalabbau senken, der Mittelstand aber hält eher an seinen Leuten fest und versucht, sich gemeinsam mit ihnen durch schwierige Phase durchzukämpfen.
Was München außerdem abhebt, ist die große Branchendiversität unserer Stadt. Selbst wenn die Autoindustrie momentan Probleme hat, waren diese doch in den vergangenen Jahren auch sehr verwöhnt. Versicherer und IT-Unternehmen stehen nach wie vor recht stabil da. Wir haben einige wichtige Global Player in der Stadt und dazu eine lebendige Start-up-Szene. Überall wird gerade an KI getüftelt. Und es wächst ein neuer Branchenzweig heran: die Sicherheits- und Verteidigungstechnik. Immer mehr Unternehmen, die mit Rüstung früher gar nichts zu tun hatten, merken momentan, dass ihr Know-how hier gefragt ist, und nehmen diesen Bereich mit dazu oder satteln ganz um. Das meine ich, wenn ich sage, dass die Unternehmensdiversität die große Stärke dieser Stadt ist: Wenn eine Branche schwächelt, fängt eine andere einen Teil davon auf.
Stichwort Autobranche. München ist eine Autostadt, mit BMW und vielen Zulieferern. Wie ernst ist hier die Lage?
Das ifo Institut sagt, dass die Autobranche den Gürtel enger schnallen muss. Sie hat, wie gesagt, jahrzehntelang sehr gut verdient, aber jetzt kommt der Druck gleich von zwei Seiten: Die Kosten sind bei der Energie und durch die Tarifabschlüsse auch beim Lohn gestiegen. Gleichzeitig kommen aus China immer mehr Elektroautos auf den europäischen Markt, die dort viel günstiger produziert werden. Die Chinesen kaufen auch immer weniger deutsche Autos. Dieser Umbau läuft schon seit Jahren und kostet vor allem bei den Zulieferern Stellen.
Trotzdem steht in München die Autoindustrie nicht auf der Kippe. Und wer trotzdem gerne umsatteln möchte und als Mechatroniker gearbeitet hat, wird aktuell überall, vor allem aber in der Gebäude- oder Sicherheitstechnik gebraucht.
Wer hat auf dem Münchner Arbeitsmarkt gerade gute Karten, und wer tut sich eher schwer?
Dank KI und Sparmaßnahmen sehen wir einen Rückgang an Berufen, die am Bildschirm arbeiten, und einen Anstieg der Nachfrage an Fachkräften. Wer Hand anlegt, wird immer wichtiger. Man kann den Schweißer am Zug durch keine KI ersetzen, die Sachbearbeitung am Computer dagegen schon. Wir sehen gerade, dass viele Unternehmen im administrativen Bereich Personal freisetzen, manche verlagern ihre Buchhaltung inzwischen auch komplett ins Ausland. Die Zahlen der Arbeitsagentur passen dazu: Die meisten offenen Stellen in München entfallen auf fertigungstechnische Berufe.
Wenn Sie mich nach dem sichersten Beruf fragen, sage ich Elektrik und Elektronik. Diese Leute werden nach wie vor händeringend in der Automobilbranche, in der Gebäudetechnik, Sicherheitstechnik und in der Mechatronik gesucht – eigentlich überall. Das ifo hat im September gerade bei der Elektrobranche deutlich bessere Erwartungen gemessen. Auch das Handwerk hat sehr viel zu tun und ist wieder attraktiver geworden. Einen guten Handwerker ersetzt man eben nicht so leicht. Das haben inzwischen auch viele junge Leute gemerkt; ich habe den Eindruck, dass sich wieder mehr für eine Ausbildung entscheiden, was ich schön finde!
Angenommen, jemand ist im Job unzufrieden und möchte erst wechseln, wenn die Lage auf dem Arbeitsmarkt wieder besser ist. Ändert eine Stabilisierung nun diese Überlegung?
Ich würde nicht das ganz klare Signal warten, das kommt nämlich nie. Ein neuer Job bringt immer auch ein Risiko mit, das gehört einfach dazu! Aber ja, die Unternehmen suchen aktuell gezielter. Ich würde die Frage deshalb vielleicht anders stellen: Wenn ich wechsle, welchen Bereich gibt es dann noch in zehn Jahren?
Es hat sich übrigens nicht erst seit gestern verändert, wie Karrieren verlaufen. Früher hat man sich im eigenen Unternehmen nach oben gearbeitet. Heute wechseln viele alle zwei bis vier Jahre und kommen über den Wechsel weiter. Das ist für Bewerber wie für Arbeitgeber ganz normal geworden. Man darf einen Wechsel deshalb heute auch etwas entspannter sehen.
Viele Stellen werden gar nicht öffentlich ausgeschrieben. Wie findet man die guten Jobs dann überhaupt?
Je vorsichtiger ein Unternehmen ist, desto seltener schreibt es eine Stelle offen aus. Dazu wird gerade vor allem an den Personalabteilungen gespart, in vielen mittelständischen Betrieben macht nun die kaufmännische Leitung das Recruiting nebenher. Die hat schlicht keine Zeit, eine Anzeige zu schalten und sich dann durch einen Stapel Bewerbungen zu wühlen. Die braucht jetzt jemanden, weil die Aufträge für die nächsten drei Monate da sind und produziert werden müssen. In einem vorsichtigen Markt hilft es daher schon sehr, die Entscheider persönlich zu kennen.
Wir von EMMA Jobs München bekommen wohl auch aus diesem Grund sowohl von Unternehmen als auch von Bewerbern sehr viele Anfragen und haben aktuell einige wirklich spannende Stellen auf dem Tisch, die in keinem Portal geschaltet sind.
Wie hilft EMMA Jobs Menschen, die sich bei dieser Lage beruflich orientieren wollen?
Die Nachrichten sind momentan ein Wechselbad der Gefühle. In der einen Woche ist von Stabilisierung die Rede, in der nächsten wieder von Krise. Das ist anstrengend! Und deshalb schieben viele Menschen, die eigentlich unzufrieden sind, die Suche nach einer neuen Stelle unnötig lange vor sich her.
Was wir diesen Menschen anbieten können: Sie bleiben in Ihrem Job, während wir in unserem Netzwerk für Sie schauen, welche Unternehmen gerade einstellen. Wir wissen übrigens auch, wie diese Unternehmen wirtschaftlich dastehen und empfehlen Sie bei einem Match persönlich an den Verantwortlichen weiter. Ist nichts für Sie dabei, passiert gar nichts. Wir werden von den Unternehmen bezahlt, die Personal suchen, als Arbeitssuchende ist unser Service für Sie zu 100% kostenfrei und unverbindlich.
Was raten Sie jemandem, der unsicher ist, ob jetzt der richtige Moment ist?
Die Lage ist stabil genug, um sich zu bewegen. Ich würde aber gar nicht so sehr auf den Index schauen. Viel wichtiger ist doch Ihre persönliche Lage! Wie geht es Ihnen denn in Ihrem Job? Wenn die Antwort seit Monaten „nicht gut“ ist, ändert auch der nächste Konjunkturbericht daran wenig. München bleibt ein starker Ort zum Arbeiten, und gute Leute werden hier immer gebraucht.
Natürlich können wir den Markt nicht machen. Wir können dafür sorgen, dass er sich ein Stück in Ihre Richtung bewegt!
Frau Markwirth, vielen Dank für das Gespräch!
Danke Ihnen, bis zum nächsten Mal!
Sie möchten wissen, welche Münchner Unternehmen gerade einstellen und wie es um sie steht? Frau Markwirth und ihr Team am Stachus sprechen jede Woche mit Arbeitgebern aus München und der Region und freuen sich über Ihre Nachricht oder Ihren Anruf.
Susi Markwirth
Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement hat sie schnell erkannt, dass sie im Personalbereich richtig aufgehoben ist. Aus diesem Grund entschied sich Susi für eine Weiterbildung zur Personalfachkauffrau. Die Prüfung hierfür hat Sie im Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen.